Ideologische Blindheit schadet unseren Kindern

Autor: 
Martin Dulig
Datum: 
04.09.2009

Martin Dulig, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, erklärt in Reaktion auf das Interview mit Kultusminister Wöller:

„So richtig Kultusminister Wöller mit der Ablehnung der sechsjährigen Grundschule liegt, so falsch liegt er mit seiner Lobpreisung der frühen Trennung“, reagiert Dulig auf das dpa-Interview des Kultusministers. „Die sechsjährige Grundschule ist weder Fisch noch Fleisch und würde tatsächlich eine Menge Unruhe und Probleme schaffen ohne Aussicht auf eine Verbesserung der Situation. Wenn wir heute an eine Schulstrukturänderung gehen, dann muss sie nachhaltig sein.“

 

Enttäuscht zeigt sich Dulig vom offensichtlichen Unverständnis des Kultusministers über die Lernprozesse an sächsischen Schulen: „Wenn der Kultusminister gemeinsames Lernen und individuelle Förderung an einer Gemeinschaftsschule für unvereinbar hält, dann muss er dies auch an jeder anderen Schule tun. Offensichtlich hängt auch Wöller der Fiktion nach, es gäbe an Mittelschulen und Gymnasien jeweils leistungshomogene Klassen. Ich empfehle den Besuch einer Schule, einen Blick in die Klassenbücher und die Kenntnisnahme der letzten PISA-Auswertung für Deutschland.“ Dort kann er nicht nur die jeweils breite Leistungsstreuung an Mittelschulen und Gymnasien finden, sondern auch die gewaltige Überlappung zwischen den Schulformen. „Knapp 50 Prozent der Mittelschüler könnten von ihren bei PISA gezeigten Leistungen genauso gut auch ein Gymnasium besuchen – wenn das nur besser individuell fördern würde“, so Dulig.

 

Dulig abschließend: „Mit dem gemeinsamen Lernen bis wenigstens Klasse 8 hat sich die Frage nach verschiedenen Schulformen erledigt. Eine Schule, die individuell fördert, braucht keine Selektion ihrer Schüler.“

 

Press-ID:
09-214