Bildungsmonitor 2009: Spitzenposition Sachsens muss ausgebaut werden.
Spitzenposition Sachsens muss ausgebaut werden. Warnung vor FDP-Schulpolitik
„Der Bildungsmonitor 2009 der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bescheinigt Sachsen wieder einen Spitzenplatz“ begrüßt Martin Dulig das gute Abschneiden Sachsens. Auch wenn das Monitoring nicht die Qualität der Bildungssysteme abbildet – denn es liegen keine neuen PISA-Ergebnisse als einzige Qualitätsindikatoren vor –, so ist es doch ein Ausweis über die gute Ausstattung der Schulen. „Das ist nicht zuletzt ein Verdienst der SPD, die im Verlauf der gemeinsamen Regierung immerhin 2.000 Lehrerstellen vor der geplanten Streichung bewahren konnte.“ Auch muss Sachsen bei innerdeutschen Qualitätsvergleichen nicht bange sein, da die Investitionen in die frühkindliche Bildung, die Schuleingangsphase und die Ganztagsangebote ihre Früchte tragen.
Dulig weiter: „Aber wir können uns trotzdem nicht mit dem Stand zufrieden geben. Zu viele junge Menschen verlassen die Schule ohne Schulabschluss, zu viele bleiben unter ihrem Leistungsvermögen, zu vielen verbauen wir nach wie vor durch Selektion und Instruktion Bildungschancen.“ Dulig verweist u. a. auf die „Politik-Check Schule“-Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln vom Mai 2008, in der Sachsen weniger gut abschneidet (siehe unten). Auch im Detail verweisen die guten Ergebnisse in den MINT-Fächern auf die Fraglichkeit der Reform der gymnasialen Oberstufe. „Hier haben wir allen Grund, die Zielrichtung der Reform zu hinterfragen. Aus unserer Sicht war sie falsch; viele Schüler, Lehrer und Eltern sehen es ebenso – und die Studie bestätigt, dass sie offenbar auf eine veraltete Lernkultur ziele“ kommentiert Dulig.
„Wir brauchen einen Wandel in der Lernkultur mit längerem gemeinsamen Lernen und wir brauchen dazu sehr viel mehr Verantwortung an den Schulen vor Ort“ benennt Dulig die zwei wichtigsten schulpolitischen Projekte der nächsten Zukunft. „Auch andere schmücken sich mit Forderungen nach längerem gemeinsamen Lernen und mehr Verantwortung an der Schule, würden aber mit ihren Konzepten die sächsischen Schulen ins Chaos stürzen“ so Dulig mit Blick auf die FDP. „Wer eine sechsjährige Grundschule in Sachsen einführen will, muss nicht ganz bei Trost sein. Entweder müssten die Schulträger ihr Schulnetz neu aufbauen – was unbezahlbar ist –, oder die Klassen 5 und 6 müssten an Mittelschulen angegliedert werden, was einen weiteren Schulwechsel bedeutet.“ Das sei nicht nur pädagogisch Unfug, sondern auch in der Praxis verheerend, wie man am Beispiel Sachsen-Anhalts studieren kann.
Nicht anders sei es mit der FDP-Forderung mittels der Kommunalisierung der Lehrer mehr Verantwortung an die Schulen zu bringen und einen Wettbewerb zwischen den Schulen zu entfachen. „Wer die Lehrer den Kommunen überhelfen will, bringt diese nicht nur zu Recht gegen sich auf, sondern verlagert die bürokratische Verwaltung der Schulen nur von einer nach vielen Jahren Erfahrung nunmehr relativ gut funktionierenden Behörde auf viele neue unerfahrene und zersplitterte Behörden.“ Die Folgen wären drastisch steigender Unterrichtsausfall und enorme Demotivation der Lehrer. „Das brauchen wir beides nicht. Wir brauchen eine Schule, die die Verantwortung für die Bildungsprozesse durch Wegfall aller Struktur- und Organisationsvorgaben wirklich in Händen hält. Dazu ist es nicht nötig, die Lehrer aus dem Landesdienst zu entlassen.“ Die SPD hat seit langem die Konzepte in der Schublade, die jeder Schule gestatteten, ihren Weg zu gehen. „Wir müssen endlich aufhören zu meinen, dass es die alle allein selig machende Struktur der Schule geben könnte.“ Mit Blick auf den von der FDP immer wieder geforderten Wettbewerb bemerkt Dulig abschließend: „Schulen brauchen keinen Wettbewerb, weil wir uns keine Verlierer leisten können. Schlechte Schulen brauchen Unterstützung und keine Bestrafung. Wettbewerb zwischen den Schulen führt zu sozialer Ungerechtigkeit.“
