Dem Fachkräftemangel vorbeugen: Kitas für Erziehungswissenschaftler öffnen!

Autor: 
Martin Dulig
Datum: 
07.07.2009

Martin Dulig, Vorsitzender und bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, besucht auf seiner Sachsentour 2009 heute die Kindertagesstätte „Mischka“ in Riesa. Ein zentraler Schwerpunkt des geplanten Gesprächs wird vor allem der Fachkräftemangel in sächsischen Kindertageseinrichtungen sein.

„Immer wieder treten Träger von Kindertageseinrichtungen an mich heran und erläutern mir, dass es zwischenzeitlich fast unmöglich ist, geeignetes Personal für die Arbeit in einer Kindertageseinrichtung zu finden. Zwar sind mittlerweile die Ausbildungskapazitäten für Erzieherinnen und Erzieher erhöht worden. Dies reicht jedoch aus unserer Sicht nicht aus, um den zukünftigen Bedarf an Fachpersonal zu decken. Die SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag verlangt daher schon seit längerem, die Kitas auch für Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler mit Magisterabschluss zu öffnen. Aber das Kultusministerium verschließt angesichts dieser Herausforderungen einfach die Augen“, so Martin Dulig.

Ab 2013 besteht ab Vollendung des ersten Lebensjahres ein Rechtsanspruch auf den Besuch einer Kindertageseinrichtung. Allein für 2010 geben die Kommunen ihren Personalbedarf mit fast 1.000 Erziehern und Erzieherinnen an. Bei 523 Absolventen, die die Fachschule mit dem Abschluss einer Erzieherin bzw. eines Erziehers im Jahr 2008 verlassen haben, ist aber ein größerer Bedarf offensichtlich.

Dulig: „Dieser Bedarf wird nicht allein durch Diplomsozialpädagogen bzw. durch Diplomsozialarbeiter zu decken sein. Darum müssen wir die Kitas auch für Erziehungswissenschaftler (M.A.) öffnen. Zwar arbeiten derzeit vereinzelt einige von ihnen auch in sächsischen Kindertageseinrichtungen. Sie erhalten jedoch immer nur eine befristete Genehmigung. Wir brauchen aber dauerhafte und verlässliche Regelungen. Erziehungswissenschaftler dürfen keine Erzieher 2. Klasse sein. Deshalb muss der Kultusminister die Qualifikationsverordnung Kita dringend ändern.“

Andere Länder machen es vor: Auch in Brandenburg werden künftig Erziehungswissenschaftler für die Arbeit in der Kita anerkannt. In Thüringen beispielsweise werden gleichwertige Uni-Abschlüsse schon länger für die Arbeit in einer Kindertageseinrichtungen anerkannt.

„Es ist mir unverständlich, warum Fachkräfte in der Kita in den Bundesländern unterschiedlich definiert werden. Wenn das Kultusministerium weiterhin schläft und nicht handelt, dann werden neben den Lehrerinnen und Lehrern auch die Erziehungswissenschaftler Sachsen den Rücken kehren“, so Dulig abschließend.

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